TRO045 Odysseus und Leichen im Keller

Odysseus 3: Der Weg zu Kirke und Teiresias' Prophezeiung

In Folge 45 spreche ich mit Daniel über die weitere Erzählung von Odysseus. Er erzählt von Windgöttern, Riesen und Magierinnen und wir glauben ihm mal wieder ... nur eingeschränkt. Viel Spaß beim Hören!
Dauer: 2:06:46

Mitwirkende:
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Daniel Franz
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Stefan Thesing
Bestattung von Elpenor und Aufbruch in die Unterwelt

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11 Gedanken zu „TRO045 Odysseus und Leichen im Keller

  1. Dirk

    Bei der Sache mit Hermes und Kirke. Euch kam ja, die Idee, dass Hermes ein Trickser sei und da noch was im Schilde führt. Es scheint ja so zu sein, dass Hermes auch mit Hermes gesprochen hatte. Vielleicht hat er ihr ja gesagt, dass Odysseus kommen wird und dass er ihr widerstehen wird. Und dann hat er ihr auch etwas aufgegeben: Mit ihm verhandeln und ihn durch die Party davon abhalten weiter zu wollen.

    Dann wäre die Frage, warum? Vielleicht hat er irgendwas mit Poseidon am Laufen oder er will ihn schützen, nach dem Motto du kommst da nicht weg, aber wenigstens bist du/seit ihr keine Schweine. Jedenfalls macht es mich stutzig, dass Hermes mit Kirke gesprochen hat, bei seinem Charakter steckt da irgendwas dahinter. Oder Odysseus erzählt es, um eine Ausrede zu haben und jeder weiß ja, der Hermes ist ein Trickser … Odysseus wurde von ihm ausgetrickst.

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    1. sthesing Beitragsautor

      Ja, das beschäftigt mich auch. Vielleicht ist es einfach der Logik geschuldet, dass Kirke als Magierin und Alchemistin in der Denkweise der griechischen Autoren einen guten Draht zu Hermes gehabt haben muss und das hier einmal unterstreichen.
      Vielleicht hat der schlaue Hermes (der ja als Psychopomp durchaus auch Ahnung vom Tod hat) aber auch einfach verstanden, was Odysseus braucht, um sich mit seinem Trauma auseinanderzusetzen und hat sich gedacht, das Kirke genau die richtige ist, um das auch Odysseus zu vermitteln. Aber nur, wenn sie als Gleichberechtigte aufeinandertreffen. Und genau das hat er hier eingefädelt. Andererseits würde das auch klappen, ohne das Kirke davon weiß…
      Oder aber es kommt im weiteren Verlauf der Geschichte noch etwas dazu, was es erklärt. Wir werden sehen.
      Danke für dein Feedback und für’s Mitdenken.

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  2. David

    Die Sache mit dem Wind kam mir innerhalb der Geschichte total schlüssig vor, aber vielleicht habe ich was falsch verstanden.
    Der Wind Dude sagt doch: ich lasse den einen Wind raus, der euch nach Hause pustet. Und dann packe ich diese anderen Winde in diesen Luftballon, den darfst du aber erst öffnen wenn du zu Hause angekommen bist, vermutlich am besten an Land. Weil die anderen Winde werden werden dann in die andere Richtung zurück zu mir wehen und ich kann sie zurück in den Schrank stecken, mit dem guten Gewissen dass ihr angekommen seid.
    Wenn seine Crew den Luftballon jetzt also auf dem Meer öffnen geht das alles früher los, die Winde blasen zurück zu ihrem Herrscher und ziehen das Segelboot entsprechend mit sich. Gehen sie nicht über Start, ziehen sie keine 5000 Sesterzen ein. Oder?

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  3. David

    Die Toten Geschichte würde ich als das Resultat massiver Verdrängung lesen. Über ein Jahr hat Odysseus vermutlich alles was er getan hat nach hinten gedrückt, Party Party Party, kurz schlafen, nächste Party, bloß an nichts denken was vorher war, wen er auf dem Gewissen, wen er verlassen hat. Und dann passiert dieses eine Unglück, das ihn in die Realität zurück zieht, er ist wieder zu mindest mittelbar in deren Logik verantwortlich für einen Tod und Zack – der ganze Mist kommt mit geballter Kraft zurück. Weißt du noch, der Typ der sich umgebracht hat, weil du gegen ihn intrigiert hast? Die Leute die du im Krieg getötet hast? Und dann der Seher: Erinnerst du dich, dass du übrigens noch so ne Familie hast? Deine Mutter ist übrigens in deiner Abwesenheit gestorben. Und was ist wohl mit deiner Frau und deinem Sohn? Mal dran gedacht was im Reich zu Hause los ist? Da sind doch bestimmt längst die Nachfolger vor Ort und nehmen die aus! Um es mit dem Dichter Detlef D! Soost zu sagen: „Pam! Pam! Pam!“

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    1. sthesing Beitragsautor

      Ja, so deuten wir das auch. Schön, dass es dir auch schlüssig erscheint.
      Danke für dein Feedback!

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  4. Christoph Stein

    Danke!

    Ich hab mich irrsinnig gefreut, als ich wieder diese geile Eingangsmusik gehört habe. Das ist der Militarismus des antiken Griechenland in Musik gekleidet ! Unglaublich treffend zum Thema.

    Zu Mythos und Trauma

    Ich vermute es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Mythenproduktion und kollektivem Trauma. Ich finde es jedenfalls auffällig, dass wir in der Geschichte einige Peaks in der Mythenproduktion beobachten können, die einhergehen mit recht dunklen Epochen der Geschichte:
    – Der erste Höhepunkt liegt grob im Übergang von der Bronzezeit zur frühen Eisenzeit. Die Menschheit musste hier die Erfahrung machen, welche Verheerungen Mann mit scharf geschliffenem Metall anrichten kann. Im Vergleich zu Holz und Stein eine traumatisierende Innovation.
    – Die für Europa zweite sehr wichtige Mythenproduktion folgt auf dem judäischen Krieg, den Flavius Josephus so eindringlich beschreibt. Das Trauma des zerstörten Jerusalemer Tempel ist Quelle des christlichen Mythos.
    – Der dritte Peak liegt im europäischen (Früh)mittelalter, das man sich wohl wie ein jahrhunderte langes Game of Thrones vorstellen muss.
    – Was sagt diese Beobachtung nun über unsere Gegenwart aus? Wir erleben seit einigen Jahrzehnten einen kräftigen Anstieg der Mythenproduktion. Wir leben also offenbar in traumatisierenden Zeiten. Mich erinnert das an eine Sentenz von Hegel: Die glücklichen Zeiten der Menschheitsgeschichte sind die unbeschriebenen Blätter im Buch der Geschichte.

    Bitte Weitermachen!

    Danke!

    Christoph

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  5. Christian Bordis

    Off Topic:

    Hallo Daniel Franz,

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    Gruß

    Christian

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  6. Christian

    Für mich klingt die ganze Geschichte danach, das Odysseus ein ADHS Mensch ist.
    – ist besonders Clever
    – lässt sich an den Mast vom Boot fesseln um den Gesang der ertragen Sirenen ertragen zu können, ADHS Menschen flippen gerne mal aus wenn sie mit Reizen überflutet werden
    – ist impulsiv
    – Selbstmord, Selbstzweifel und Depression sind häufige sekundäre Symptome bei ADHS
    – Hang zu Konsum von suchterzeugenden Substanzen und Sex
    – Drogen haben teilweise andere Wirkung als bei neuronormalen Menschen (die Hermes Geschichte) z.B. Wenn alle nach dem Konsum Amphetaminen ordentlich Party machen, kann es sein das der ADHS Mensch nach Hause geht und die Wohnung aufräumt.

    Viel mehr könnte man sich auch gleich frage ob Homer hier der ADHS Mensch ist. Diese tendieren auch gerne dazu komplexe in sich aber geschlossene Geschichten zu erzählen.

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  7. Uli Böttcher

    Moin Stefan, einfach mal Danke für die Idee und die Umsetzung des Podcast Formats, Mythen und Sagen in „moderner“ Sprache nachzuerzählen – und mit unbekümmerten Deutungen in die Diskussion zu gehen. Mit Daniel hast du einen Partner, der unorthodoxe Gedanken einbringt… Das passt sehr gut. 🙂

    Odysseus als posttraumatischer Kriegsteilnehmer… wirklich interessanter Ansatz. „Leider“ schlüssig. Um nicht zu sagen… spannend. 😉
    Was ich vor allem von dir, Stefan, gerne wüsste: Setzt du dich – speziell für den griechischen Kosmos – mit Mythenforschung vor oder nach einer Themenbehandlung auseinander? Bei den religionshistorischen Themen mit Marc hörte ich häufiger mal etwas vom „aktuellen Stand der Forschung“… daher die Frage.
    Zudem eine Anregung, ob man mal versuchen könnte, eure bisherigen Themen zeitlich einzuordnen? Troja und Odyssee müsste ja am Ende der Bronzezeit liegen… und das kitzelt bei mir gerade die Frage hervor, ob denn die Odysee nicht auch als „Kind seiner Zeit“ aus der Brille der gesellschaftlichen Strukturen betrachtet werden könnte/sollte, als die Hochkulturen in der Krise steckten (und wenig später bis auf Ägypten vergingen)?!

    Viele Grüße quer durch Hamburg
    Uli

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    1. sthesing Beitragsautor

      Hallo Uli,

      danke für das Lob und die Rückmeldung.
      Was deine Frage nach Forschung angeht: Nein, ich verfolge den wissenschaftlichen Diskurs dazu nicht. Ich stecke immer mal wieder interessehalber meine Nase in populärwissenschaftliches zu komparativer Mythologie – v.a. die „Masks of God“-Reihe von Joseph Campbell. Aber da ist nichts Systematisches dran.

      Beste Grüße

      Stefan

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  8. Georg

    So – ich bin durch, bzw. endlich (oder leider viel zu schnell schon) auf dem aktuellen Troja-Alert-Stand. Vielen Dank für viele Stunden Geschichtenerzählen und wilde Theorien spinnen, die mich über mehr als ein Jahr im Ohr begleitet haben. Am meisten gelacht habe ich bei der Stelle mit Hermes und den Schafen, am wenigsten folgen konnte ich manchen biblischen Diskussionen.

    Du erwähnst in der aktuellen Folge eine Filmszene. Ich denke nicht, dass Du die meinst, mich erinnerte Deine Beschreibung dennoch an die Schlussszene von „Paris, Texas“ von Wim Wenders. Warum möchte ich gar nicht sagen, spoiler halt. 🙂

    Viele Grüße aus Mainz
    Georg

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